Warum ist eine Renten- und Lebensversicherung keine geeignete Altersvorsorge:

Aktualisiert: Jan 11

Die klassische Renten- und Lebensversicherung ist bisher eines der beliebtesten Anlageformen für die Altersvorsorge. Seit Jahren raten Finanzexperten Lebensversicherungen zu kündigen und in andere Anlageformen zu investieren.



Beispiel der Allianz Konzern: Die Überschussbeteiligung bei der Allianz betrug im Jahr 2010 noch 4,3%. Diese hat sich in 2021 auf 2,9% reduziert.


Im Gegensat dazum konnte die Allianz im Geschäftsjahr 2019 eine Eigenkapitalrendite in Höhe von 12,7% erwirtschaften. Diese ist sogar gegenüber dem Vorjahr 2018 um 1,3% gestiegen. 50% des Jahresüberschusses werden in Form einer regulären Dividende an die Aktionäre ausbezahlt (Quelle Geschäftsbericht 2019).




Wie passt das zusammen?

Die Allianz-GI-Fonds haben eine sehr gute Wertentwicklung am Aktienmarkt hingelegt. Der Premiumstars Chance hat in den letzten fünf Jahren eine durchschnittliche Wertenwicklung von 9,3% p.a. erwirtschaftet.


Die Versicherung verdient am Zinseszins der Beiträge.


Es ist der Zinseszins, der Banken und Versicherungen wirklich reich gemacht hat. Wie passt eine Eigenkapitalrendite in Höhe von 12,7% mit einer schrittweisen Senkung der Überschussbeteiligung zusammen?


Sicherlich ist die derzeitige Nullzinsphase ein schwieriges Investmentumfeld für Banken und Versicherungen. Der große Anteil der Versicherungsbeiträge wird in festverzinsliche Staatsanleihen und Wertpapieren angelegt. Trotzdem werden Dividenden an Aktionäre ausbezahlt und eine zweistellige Eigenkapitalrendite erwirtschaftet. Die Allianz erzielte ein operatives Ergebnis in Höhe von 2,9 Milliarden Euro im dritten Quartal 2020.


In der Beispielrechnung ist dargestellt, was der Kunde ausgezahlt bekommt und was die Versicherung verdient. Der Kunde zahlt beispielsweise monatlich 100,00 Euro für seine Renten- oder Lebensversicherung. Je nach Versicherung können die Kosten bis zu 40% - manchmal sogar bis zu 80% - des monatlichen Beitrages betragen.


Von den eingezahlten Beiträgen werden erst einmal Provisionen, Verwaltungskosten und Gebühren bezahlt. Steigen die Kosten der Versicherung, werden diese Kostensteigerungen an den Kunden weitergegeben. So kann das passieren, das der Sparanteil sich von 70,00 € auf 100,00 € reduziert.


Bei einer Verzinsung von 2,00% bis 3,00 % ergeben sich eher Verluste, als das Gewinne erzielt werden. Damit ist eine Renten- und Lebensversicherung keine geeignete Kapitalanlage, die Erträge erwirtschaftet.


Das Geschäftsmodell eignet sich eher für Aktionäre und der Versicherungsgesellschaft.



Warum ist die Rückabwicklung einer Renten- und Lebensversicherung sinnvoll?


1. Die Rendite nach Steuern und Inflation ist ausschlaggebend.

Beiträge für eine Renten-und Lebensversicherung werden aus dem Nettoeinkommen bezahlt. Handelt es sich um eine betriebliche Altersvorsorge, wird das ausgezahlte Endkapital oder die laufende Rente besteuert.


Zusätzlich muss eine jährliche Inflation von 2% zu Grunde gelegt werden. Das bedeutet, dass nach 35 Jahren der Kaufkraftverlust bei sicherlich 70% und mehr liegt. Sind die Versicherungen vor der Währungsreform von der Deutschen Mark in den Euro abgeschlossen, ist der Kaufkraftverlust noch erheblicher.


Ein Döner kostete vor der Währungsreform 2,50 €. Heute kostet der Döner 4,50 €. Das entspricht einer jährlichen Inflationsrate von 3%.


In unserer Beispielrechnung (Sparanteil 70,00 €/ 5% Zinsen p.a.), beträgt das Endkapital 101.118 €. Nach 35 Jahren entspricht das einer Kaufkraft von 30.335 €. Nehmen wir die Döner-Inflationsrate zu Grunde, bleibt nicht mehr viel vom erwirtschafteten Kapital übrig.


Eine Renten- und Lebensversicherung bedeutet einen erheblichen Kaufkraftverlust im Alter!


Ohne private Vorsorge liegt die durchschnittliche Deckungslücke im Alter bei 50% des aktuellen Nettogehaltes. Mit diesen Fakten kann man sich eine Renten- und Lebensversicherung gar nicht mehr leisten, da das eigene Vermögen schrittweise vernichtet wird.


2. Nullzinsphase vernichtet Geldwerte.

Die Nullzinsphase wird uns noch viele Jahre begleiten. Die europäische Zentralbank verfolgt diese Strategie, um wirtschaftliche Investitionen und den Konsum anzukurbeln. Damit wird einer Deflation vorgebeugt, die verheerende Auswirkungen für Deutschland haben kann.


Deflation bedeutet sinkende Preise. Sinkende Preise ist für die Wirtschaft schädlich und wird eine Wirtschaftskrise ungeahnten Ausmaßes auslösen. Das möchte keiner wirklich. Mit einer steigenden Geldmenge wird die Inflation angeheizt und eine Deflation verhindert.


In einer Nullzinsphase steigt der Vermögenswert der Sachwerte. Geldwerte, wie Sparguthaben, Renten- oder Lebensversicherungen verlieren erheblich an Wert. Immobilien oder Aktien steigern ihren Wert. Ein weiterer Grund Renten- und Lebensversicherungen schnellstmöglich rückabzuwickeln.


Die europäische Zentralbank wird die nächsten Jahre an dieser Finanzpolitik festhalten.


3. Gesetzliche Bestimmungen schaden den Versicherungsnehmer


§314 VAG und §89 VAG beschränken die Rechte des Versicherungskunden und stärken die Versicherungsunternehmen. Lebensversicherungen dürfen Kunden weniger auszahlen. Die Beteiligung an Bewertungsreserven können Versicherer reduzieren, sollte es die wirtschaftliche Lage das erforderlich machen. Das wird zukünftig passieren.


Fazit: Kurzfristiges Handeln ist angesagt!

Vor dreißig oder vierzig Jahren war eine Renten- oder Lebensversicherung ein solides Finanzprodukt, dass zumindest eine einigermaßen vernünftige Rendite erzielte. Das hat sich heute leider geändert.


Als Versicherungsnehmer darf man egoistisch sein. Wenn eine Deckungslücke im Alter entsteht, wird es weder den Versicherungsmakler, noch der Versicherung oder der Bank interessieren.


Häufig wird im Finanzbereich nach Vertrauen entschieden. Eine emotionale Entscheidung, schützt jedoch nicht vor sich negativ auswirkenden wirtschaftlichen Konsequenzen im Alter.


Bei einer Kündigung der Renten- und Lebensversicherung können 60% bis 290% mehr als der Rückkaufswert von der Versicherungsgesellschaft ausbezahlt werden.


Zum einen werden alle Beiträge, inklusive aller Kosten, zurückerstattet. Zum anderen gibt es eine Nutzungsentschädigung auf entgangene Beiträge, die sich auf die Rentabilität der Gesellschaften bezieht. Versicherungsnehmer erhalten einen realistischen Zinseszins auf die eigengezahlten Beiträge. Ein gutes Geschäft.




Bilder: Kamran Aydinov (free pik)