Rückabwicklung und was wird eigentlich ausbezahlt?

Aktualisiert: 23. Dez 2020





Bei der Rückabwicklung einer Renten- und Lebensversicherung können zwischen 50% bis 300% mehr als der bestehende Rückkaufswert ausbezahlt werden. Das ist abhängig, wie hoch der Kostenanteil ist sowie die allgemeine Geschäftsentwicklung des Versicherungsunternehmens war.


1. Erstattung Rückkaufswert

Im ersten Schritt wird der aktuelle Rückkaufswert ausbezahlt. Sollte die Police an eine Bank als Sicherheit für ein Tilgungsaussetzungsdarlehen abgetreten sein, wird der Rückkaufswert direkt an die Bank ausgeschüttet. Das verringert das Darlehen und die zukünftige Zinslast.


In der Regel wird die Bank dem zustimmen, da diese verpflichtet ist, im Sinne des Kunden zu handeln. Das Darlehen wird von einem Tilgungsaussetzungsdarlehen in ein Annuitätendarlehen umgewandelt. Der aktuelle Zinssatz bleibt in der Regel bestehen.


Bei der Einbindung eines Finanzieres, der Renten- und Lebensversicherungen kauft, wird dieser den Rückkaufswert für die Bank vorfinanzieren. Auf diesem Weg gibt die Bank die Police frei.


2. Erstattung aller Kosten

Die Differenz zwischen Sparbetrag und gezahlter Prämie wird ebenfalls erstattet. Dieser kann bis zu 80% der Prämie betragen. Im Normalfall liegt dieser bei 40% bis 50% der Prämie.


3. Nutzungsersatz als Zinsen

Der Versicherer hat jahrelang mit den Prämien der Versicherungskunden gearbeitet und Erträge für sich erwirtschaftet. Somit ist er verpflichtet rückwirkend Nutzungsersatz als Zinsen zahlen. Das ist sogar meist der größte Anteil in vielen Fällen.


Auf den Risikoanteil, die Abschluss- und Verwaltungskosten muss die Versicherung keinen Nutzungsersatz erstatten (BGH, Urteil vom 10. Februar 2016, Az. IV ZR 19/15). Bei den Verwaltungskosten kann das anders sein, falls dem Versicherungsnehmer tatsächlich der Nachweis gelingt, dass der Versicherer tatsächlich Nutzen gezogen hat.


Das Oberlandesgericht Stuttgart hat in einem Fall die Geschäftsberichte der relevanten Jahre abgestellt und einen durchschnittlichen Zinssatz von 4,02% angenommen. Bei Fondspolicen kann die Wertentwicklung der Investmentfonds zu Grunde gelegt werden.


Bei einem erstattenden Betrag von rund 16.000 Euro schätzte das Gericht den Nutzungsersatz auf 3.500,00 Euro (Urteil vom 23. Oktober 2014, Az. 7 U 54/14). In der Regel wird von einem Actua ein Gutachten erstellt, der genau berechnet, was dem Versicherungskunden zusteht.


4. Steuerlicher Vorteil

Versicherungspolicen, die vor dem Jahre 2004 abgeschlossen wurden, sind in der Regel steuerfrei. Wichtig dabei ist, dass diese zwölf Jahre lang nicht gekündigt worden sind. Somit ist der Nutzungsersatz nicht steuerpflichtig.


Ab dem Jahre 2004 sind alle Policen steuerpflichtig. Auf den Nutzungsersatz fällt die 25%ige Kapitalertragssteuer sowie der Solidaritätszuschlag an. Diese muss geleistet werden. Einige Finanzierer gewähren einen 40% Steuerbonus. Beispiel:


Kapitalerträge: 8.064,30 Euro

Kapitalertragssteuer: 2.106,08 Euro

Solidaritätszuschlag: 110,88 Euro

Steuer gesamt: 2.126,96 Euro

=> 40% Steuerbonus: 850,78 Euro


Fazit:

Die Rückabwicklung vieler Renten- und Lebensversicherungsverträge lohnt sich. Auf Grund der aktuellen Corona-Krise und wirtschaftlichen Lage werden immer mehr Versicherer in eine finanziell bedrohliche Lage kommen.


Die Überschussbeteiligung wird sinken. Häufig ist der Rückkaufswert niedriger als die eingezahlten Beiträge. Die Inflation und der Kaufkraftverlust vernichten das Kapital



Eine Renten- und Lebensversicherung ist aus heutiger Sicht keine geeignete Altersvorsorge. Sachwerte, wie Immobilien, Aktien oder Edelmetalle, sichern für das Alter die Kaufkraft ab.